Zum Hauptinhalt springen
Logo von Startup City Hamburg

Der Aufbau eines Startups ist für viele Gründerinnen und Gründer zwar eine der spannendsten, aber auch herausforderndsten Phasen im Leben. Zwischen Kapitalbeschaffung, der eigenen Markenentwicklung, der Suche nach passenden Co-Founder:innen und Angestellten sowie dem Druck ungeduldiger Investor:innen erleben viele Startup-Gründer:innen extremen Stress – sowohl positiven als auch negativen. Als Folge daraus achten viele frisch gebackene Unternehmer:innen zu wenig auf ihre mentale Gesundheit. Doch die folgenden Informationen und Tipps können dir sowohl dabei helfen, dein Unternehmen erfolgreich zu führen als auch dabei langfristig psychisch gesund zu bleiben:

© Arif Riyanto, Unsplash

Mögliche Gründe für Burnout bei Startup-Gründer:innen

Welche Umstände Gründer:innen mental schwächen können, ist natürlich bei jeder betroffenen Person ganz individuell. Dennoch gibt einige typische nervenaufreibende Faktoren, mit denen sich alle Startup-Gründer:innen mehr oder weniger stark auseinandersetzen müssen:

  • Hohe Verantwortung: In der Startphase eines Unternehmens gibt es immer wahnsinnig viel zu tun. Als Founder:in wächst man in diesem Stadium förmlich über sich hinaus – das macht extrem viel Spaß, oft fehlt aber ein gesunder Ausgleich in Form von Sport, inspirierenden Freizeiterlebnissen, genügend Schlaf und gesunder Ernährung.

  • Finanzieller Druck: Besonders in der Frühphase eines Startups dreht sich in der Regel alles ums Geld. Die Notwendigkeit, genug Kapital für die Weiterentwicklung und das Überleben des Unternehmens aufzubringen, zehrt an den Nerven.

  • Fehlende Unterstützung: Viele Gründer:innen arbeiten allein oder in einem kleinen Team, was oft zu Überstunden, einer breiten Aufgabenverteilung und mangelnder Entlastung führt.

  • Investorenstress: Sobald Investor:innen involviert sind, gibt es nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch die Erwartung an schnell sichtbare Ergebnisse. Das baut enormen Druck auf und lässt Gründer:innen die Balance zwischen Arbeit und Privatleben oft aus den Augen verlieren.

  • Wenig Zeit für Privates: Während der intensiven Gründungsphase leidet bei vielen Gründer:innen das Privatleben. Familiäre Erwartungen lassen sich dann nur schwer erfüllen und für Aktivitäten im Freundeskreis bleiben kaum noch Kapazitäten. Der extreme Fokus auf das eigene Business und das einhergehende intensive Zeitinvest kann daher zu Beziehungsproblemen und Unverständnis bei Familie und Freund:innen führen.

© Christian Schröder

Resilienz-Expertin Pia Schlemmer verrät: So schaffen Gründer:innen eine gesunde Work-Life-Balance

Wir haben mit der systemischen Coachin Pia Schlemmer über die mentale Gesundheit von Startup-Gründer:innen gesprochen. Sie unterstützt mit ihrem Know-how in Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und der strategischen Innovationsberatung Gründer:innen und Teams dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Mit ihrem Unternehmen Happy Leaderships bietet sie für Gründerinnen und weibliche Führungspersonen Coachings und retreats, bei denen die Teilnehmenden zu sich selbst finden und gemeinsam neue Ideen für ihre individuellen Herausforderungen entwickeln können. Außerdem ist die Resilienz-Expertin als Projektmanagerin beim Klima-Startup Planeteers beschäftigt.

„Startup-Gründer:innen müssen nicht immer effizient sein, sondern auch mal nur aus dem Fenster gucken dürfen.“
Pia Schlemmer, Coachin und Inhaberin von Happy Leaderships

Pia, wie können sich Startup-Gründer:innen eine gesunde Work-Life-Balance bewahren?

Meiner Einschätzung nach können sie das gar nicht. Denn das würde voraussetzen, dass bei ihnen Arbeit und Privatleben voneinander getrennt stattfinden. Bei Gründer:innen ist das in der Regel jedoch nicht der Fall. Denn ein eigenes Unternehmen aufzubauen bedeutet immer die Realisierung eigener Ideen und Werte, sodass idealerweise die Arbeit nicht durch das Privatleben ausgeglichen werden muss, um zufrieden zu sein. Es geht eher um ein ausbalanciertes Verhältnis von Leben und Arbeiten – genauso wie von weiteren Lebensbereichen wie z.B. Gesundheit und Freundeskreis.

Welche typischen Fehler von Gründer:innen führen am häufigsten zu mentaler Erschöpfung?

Die Ursachen sind natürlich immer vielfältig und es gibt auch nie nur einen Grund für mentale Erschöpfung. Es kommt aber oft vor, dass Gründer:innen an sich selbst viel zu hohe Erwartungen haben. Sie müssen sich davon verabschieden, immer effizient sein zu wollen und stattdessen ohne schlechtes Gewissen auch mal nur aus dem Fenster gucken dürfen.

Was rätst du Gründer:innen von Startups, die ihre Resilienzfähigkeit stärken möchten?

In der Gründungsphase eines Startups passieren viele elementare Dinge auf einmal und als Gründer:in ist man auch immer für alles zuständig. Dabei kann es leider schnell passieren, dass man sich zu sehr auspowert. Empfehlenswert ist es daher, sich aktiv und rechtzeitig um gesunde Routinen für ein ausbalanciertes Maß an Stress und Entspannung zu kümmern – und zwar bereits dann, wenn man noch gut bei Kräften ist und nicht erst, wenn es einem schon schlecht geht.

Gerade in den ersten Unternehmensjahren klappen viele Dinge nicht auf Anhieb und Startup-Gründer:innen müssen auch mit Rückschlägen fertig werden. Wie schafft man es, sich dadurch nicht entmutigen zu lassen?

Hilfreich ist die Reflexion der eigenen Emotionen. Wenn ich direkt erkenne, ob ich zum Beispiel wütend, enttäuscht oder ängstlich bin, kann ich leichter passende Maßnahmen ergreifen, damit es mir wieder besser geht. Wenn mich beispielsweise in einer Konfliktsituation mein Mitarbeiter oder die Co-Founderin kritisiert, fühle ich mich erst einmal angegriffen. Ohne Reflexion und gute Eigenkenntnis würde ich wahrscheinlich zunächst intuitiv auf Gegenangriff schalten. Wenn ich aber früh erkenne, dass bei mir Wut aufkommt, habe ich mehr Entscheidungsspielraum, wie ich reagieren möchte. Dadurch kann ich erst einmal durchatmen und die entgegengebrachte Kritik sachlicher sehen.

  1. Realistische Ziele setzen
    Setze dir klare, erreichbare Ziele und arbeite mit Tages- oder Wochenprioritäten. So vermeidest du die Überforderung, die entsteht, wenn du dich in zu vielen Projekten gleichzeitig verzettelst.

  2. Pausen und Erholungszeiten fest einplanen
    Plane feste Pausen ein – und halte dich daran. Studien zeigen, dass regelmäßige Erholungsphasen die Produktivität langfristig steigern und vor Überlastung schützen.

  3. Vernetzung und Austausch pflegen
    Nutze Events und Netzwerke, um dich mit anderen Gründer:innen auszutauschen. Der Dialog mit Gleichgesinnten hilft oft, neue Perspektiven zu gewinnen und Lösungen für aktuelle Probleme zu finden. In Hamburg gibt es viele Events, bei denen Startup-Gründer:innen ihre Erfahrungen teilen und professionelle Unterstützung finden können.

  4. Inner Circle schaffen
    Schaffe dir dein persönliches Unterstützungsnetzwerk aus Personen wie zum Beispiel Startup-Kolleg:innen, Freund:innen, Familie oder auch aus deiner Nachbarschaft, denen du vertraust. Mit dem Wissen, dass du im Notfall nicht allein bist, fühlst du dich in Stress-Situationen gefestigter.

  5. Digitale Tools für mentale Gesundheit einsetzen

    o   Achtsamkeits-Apps bieten geführte Meditationen, die dir dabei helfen können, zur Ruhe zu kommen und deine Gedanken zu ordnen.

    o   Zeiterfassungs-Apps unterstützen dich darin, deine Arbeitszeit effektiv zu nutzen, indem sie aufzeichnen, wie du deine Zeit am Computer verbringst und dir so dabei helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen.

  6. Kultur der Offenheit pflegen
    Wenn du schon Mitarbeitende hast, fördere eine offene Gesprächskultur, in der Probleme angesprochen werden können. Eine derartige Atmosphäre unterstützt alle Teammitglieder dabei, mit ihrem Stress offen und ehrlich umzugehen und gegenseitige Unterstützung zu finden.

  7. Krisen und Veränderungen akzeptieren
    Es ist normal, dass nicht immer alles positiv läuft. Betrachte Probleme lediglich als vorübergehende Phasen und vertraue darauf, dass die Situation danach wieder besser wird.

  8. Probleme analysieren
    Du kannst Schwierigkeiten nur meistern, wenn du dich aktiv mit ihnen befasst, anstatt sie zu vermeiden. Nur auf diese Art kannst du erkennen, was du positiv beeinflussen kannst und entsprechend handeln.

  9. Selbstvertrauen haben
    Verlasse dich in schwierigen Momenten ruhig auf dich selbst und darauf, dass dir deine Intuition das Richtige vorgibt.

  10. Gesunden Maßstab anlegen
    Als Unternehmer:in kann dir beruflicher Ärger schon mal die Stimmung trüben, aber lass dich davon nicht bestimmen und leiten. Wenn du mit etwas Distanz auf das Geschehen blickst, sind viele Probleme nur halb so schlimm, wie sie anfangs scheinen.

  11. Zeit für Regeneration schaffen
    Wann kommen dir die besten Ideen zur Problemlösung? Oft hilft schon etwas Abstand oder eine kleine Auszeit durch z. B. Sport, einen Ausflug oder ein Treffen mit Freund:innen, um einen frischen Blick auf die Dinge zu bekommen.

© Bewakoof.com Official, Unsplash

Mentale Gesundheit im Team fördern – das kannst du als Gründer:in tun

Es gibt einige Maßnahmen, die du in deinem Startup implementieren kannst, um deine eigene Gesundheit und die deines Teams zu fördern:

  • Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Optionen – Flexibilität reduziert Stress und ermöglicht es allen Mitarbeitenden, die eigene Work-Life-Balance positiv zu gestalten.

  • Gesundheitsangebote wie Sport- oder Entspannungsprogramme – Angebote wie regelmäßiges Yoga, Rückenfitness oder Achtsamkeitsübungen können das allgemeine Wohlbefinden fördern und verbessern.

  • Mental Health-Checks – Regelmäßige Gespräche über die Arbeitsbelastung und die mentale Gesundheit im Team können helfen, Überlastung frühzeitig zu erkennen.

„Als Gründer:in ist es von entscheidender Bedeutung, seine geistige, körperliche und emotionale Gesundheit sowie seine Beziehungen in guter Verfassung zu halten.“
Alexander Kasinec, CEO und Mitgründer von Evitado Technologies

Dass die mentale Gesundheit der Gründer:innen gerade auf lange Sicht eine wichtige Voraussetzung für den unternehmerischen Erfolg eines Startups ist, bestätigt auch Alexander Kasinec von Evitado Technologies: „Ein Unternehmen zu gründen ist ein Marathon, und wenn man seine Gesundheit und seine Freundschaften stärkt, ist die Reise weniger stressig und bietet mehr Stabilität.“ Evitado entwickelt ein Kollisionsvermeidungssystem, das beim Bewegen großer Objekte, wie z.B. ein Flugzeug im Hangar, unterstützt. Das System warnt bereits, bevor ein Unfall passiert, wodurch kostspielige Schäden und Ausfallzeiten vermieden werden können. Das Startup begann bereits in 2017 als Studienprojekt der TU Hamburg. Seither hat Evitado eine Reihe von Preisen und Förderungen erhalten und sich in der Luftfahrtbranche international einen Namen gemacht.

Angebote für Gründer:innen zur Stressvermeidung und Burnout-Prävention

Für Gründer- und Startup-Teams in Hamburg gibt es einige Programme, Coachings und Netzwerke, die dir dabei helfen können, Stress zu bewältigen und Burnout vorzubeugen:

  1. Startup Port Hamburg
    Der Startup Port ist nicht nur ein Netzwerk zur Förderung von innovativen Projekten mit universitärem Hintergrund, sondern bietet auch gezielte Coaching-Angebote für die persönliche Weiterentwicklung. Im Rahmen von Veranstaltungen und Beratungen können Gründer ihre individuellen Herausforderungen besprechen und professionelle Unterstützung zu Themen wie Work-Life-Balance, Zeitmanagement und Resilienz erhalten.

  2. Impact Hub Hamburg
    Im Impact Hub Hamburg sind Startups und junge Unternehmen versammelt, die Wirtschaft und Gesellschaft sowohl in Hamburg als auch darüber positiv verändern möchten. Neben Austausch und Business-Know-how gibt es auch immer wieder Angebote rund um mentale Stärkung, zum Beispiel den „Mindful Monday“, eine Viertelstunde mit Achtsamkeitsübungen, bei denen man auch online mitmachen kann.

Diese Angebote in Hamburg bieten dir als Gründer:in gezielte Unterstützung und wertvolle Ressourcen, um gesund und widerstandsfähig zu bleiben, auch wenn dein Startup-Alltag herausfordernd ist. Nutze diese Möglichkeiten, um ein stabiles Fundament für dein Unternehmen und dich selbst zu schaffen!

In Hamburg gibt es inspirierende Startups, die neuartige und technisch führende Lösungen für mehr Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden anbieten – hier einige Beispiele:

  1. HelloBetter
    HelloBetter bietet psychologische Online-Therapiekurse, deren Kosten komplett von der Krankenkasse übernommen werden. Die Kurse können auch Gründer:innen dabei helfen, innerhalb von zwölf Wochen ihren Stresslevel nachhaltig zu senken, Burnout-Symptome wirksam zu reduzieren und neue Energie freizusetzen.

  2. Sympatient
    Sympatient hat mit dem Programm Invirto eine App zur digitalen Behandlung von Angststörungen entwickelt. Durch Virtual Reality und digitale Tools können Betroffene ihre Ängste in ihrem eigenen Tempo überwinden – eine Lösung, die besonders stressgeplagte Gründer:innen in anspruchsvollen Phasen unterstützen könnte und die es ebenfalls kostenfrei auf Rezept geben kann.

  3. YAB Fitness & Health GmbH
    Die YAB Fitness & Health GmbH hat vielseitig patentierte Trainingsgewichte entwickelt und vertreibt diese selbst. Die Hanteln können auf eine Weise geführt werden, dass man sie nicht immer festhalten muss und dadurch auch mit geöffneter Hand trainiert werden kann. Dadurch lassen sich Trainingsbewegungen intensiver ausüben.

  4. Mind Hero
    Die App Mind Hero bietet geführte Entspannungsübungen, die dabei helfen können, ruhig zu werden, Stress zu überwinden und in schwierigen Situationen die Gedankenspiralen zu stoppen.

  5. MYNDPAAR
    Mit Hilfe der App MYNDPAAR können Paare und Singles in ihren Beziehungen mehr Nähe aufbauen und eine klarere Zukunftsperspektive entwickeln. Die KI-gestützte Therapie bietet Module, die sich dem Lebensrhythmus individuell anpassen.

  6. 21done
    21done ist eine Coaching-App, die Mitarbeitende zu hilfreichen Praktiken und Denkmustern anleitet und sie so dabei unterstützt, effektive neue Gewohnheiten zu entwickeln.

  7. Affirmation AI
    Die App erstellt personalisierte Affirmationen, die den Nutzer:innen helfen, ihre mentale Einstellung zu optimieren und dadurch ihre Ziele besser zu erreichen. Affirmation AI kombiniert Tagesziele, Dankbarkeitstracking und individuelle KI-gesteuerte Audio-Sitzungen.

Die Gründung eines Startups ist eine fordernde Aufgabe, aber auch eine unglaublich bereichernde Reise. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, nicht nur das Wachstum des Unternehmens, sondern auch die eigene Gesundheit als Priorität zu betrachten. Mit einer Mischung aus gezielten Pausen, den für dich richtigen digitalen Hilfsmitteln und der Offenheit für Unterstützung und Austausch schaffst du eine solide Basis, die dich langfristig gesund und erfolgreich macht. Hamburg bietet dir dafür mit innovativen Gesundheits-Startups und Netzwerken umfassende Unterstützung – nutze diese Möglichkeiten, um deine Gesundheit zu stärken und deinen unternehmerischen Erfolg zu sichern.

Wenn du mitten in der Gründung eines Startups steckst oder dein noch junges Unternehmen bereits im Markt aktiv ist, dann findest du hier auf dem Portal Startup City Hamburg vielfältige Infos zu Beratungs- und Fördermöglichkeiten sowie zu Netzwerken und Akteur:innen.


Autor

Startup City Hamburg

Auf Startup City Hamburg findest du Hamburgs inspirierendes Startup-Ökosystem an einem Ort!


Artikel teilen

slide 4 to 8 of 9