HelloBonnie: Ein ganz besonderer Fall von Venture Clienting
Venture Clienting – das ist, wenn Startups und etablierte Unternehmen ins Geschäft kommen und beide Seiten davon profitieren. Bei HelloBonnie und der Wirtschaftskanzlei Möhrle Happ Luther ist diese Zusammenarbeit besonders eng, denn hier wurde der eine jeweils Kunde des anderen.

HelloBonnie bietet neue Möglichkeiten zur Motivation von Mitarbeitenden
Anfang 2023 gründete der Betriebswirt Maximilian Roskosch zusammen mit dem Informatiker Niklas Klein HelloBonnie. Zuvor hatte Maximilian einige Jahre in der Strategie- und M&A-Beratung gearbeitet, mit dem Branchenschwerpunkt Payment und Fintech, dem er auch bei seinem eigenen Startup treu blieb. HelloBonnie greift die Frage auf, wie Unternehmen ihren Beschäftigten neben dem Gehalt weitere Leistungen bieten können und dabei idealerweise noch Lohnsteuer und Sozialabgaben sparen. Ein gängiges und dabei nur bedingt erfolgreiches Beispiel ist eine durch das Unternehmen bezuschusste oder gänzlich übernommene Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Für einige Mitarbeitende ist das von vornherein nicht attraktiv, andere steigen zunächst begeistert ein, doch der Enthusiasmus lässt schnell nach. Am Ende profitiert nur eine Minderheit von diesem speziellen Angebot.
Den einen Vorteil, von dem wirklich alle Beschäftigten eines Unternehmens gleichermaßen profitieren, gibt es nicht. Das Konzept von HelloBonnie basiert deshalb darauf, dass die Mitarbeitenden selbst zusammenstellen können, welche Benefits sie in Anspruch nehmen möchten. Das geht vom Shopping von Mode und Lebensmitteln über Angebote für Reise, Kultur, Sport und Mobilität bis hin zu regional definierten Bereichen, in denen die Bezahlkarte von HelloBonnie eingesetzt werden kann. Möglich macht das eine Kooperation mit Mastercard. Bei dieser Auswahl ist für alle etwas dabei, und die Nutzer:innen können jeden Monat neu entscheiden, wie sie ihre Benefits zusammenstellen.
In der Theorie ist die Idee so überzeugend wie einfach, in der Praxis wird es dann schon komplizierter, vor allem bei den steuerrechtlichen Details. Hier kommt die Wirtschaftskanzlei Möhrle Happ Luther ins Spiel. Die kann auf eine fast hundertjährige Geschichte zurückblicken. Ihr Ursprung liegt im Jahr 1928, als Ernst Möhrle sich als Bücherrevisor in Hamburg selbständig machte. Heute arbeiten über 450 Personen aus den Bereichen Steuerberatung, Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Consulting und IT-Consulting an drei Standorten für die Kanzlei. Einer von ihnen ist Tobias Müller, Partner bei Möhrle Happ Luther und Experte für Steuerfragen.

Die beratende Kanzlei wird zum Kunden
Er bekam von HelloBonnie den Auftrag zu prüfen, welche lohnsteuerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein müssten, um die HelloBonnie Smartcard, welche steuerrechtlich als Sachbezugskarte dient, zum Erfolg werden zu lassen. Per Definition ist ein Sachbezug eine zusätzliche Vergütung in Form von Waren oder Dienstleistungen, die ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden als Anerkennung ihrer Leistung oder zur Förderung der Motivation gewähren kann. Bis zu 50 Euro im Monat sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Bei einem anlassbezogenen Sachgeschenk liegt die Grenze bei einmalig 60 Euro. Größere Beträge fallen in die Kategorie Sachbonus, hier sind bis zu 10.000 Euro im Jahr möglich, pauschal mit 30 % besteuert.
Außerdem gibt es noch Zuschüsse und Beihilfen für Erholungsurlaub, Verpflegung, Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitsförderung und den ÖPNV. All das zusammen kann sich für Unternehmen wie Mitarbeitende deutlich günstiger auswirken als eine normale Gehaltserhöhung. Die Einsatzmöglichkeiten der HelloBonnie Smartcard sind also so vielfältig, dass sich die Praktikabilität nur mit einem Testkunden wirklich glaubwürdig feststellen ließ. Den musste Tobias nicht lange suchen. Er war von der Idee so begeistert, dass er die eigene Kanzlei für den Praxistest vorschlug. So ließ sich unmittelbar feststellen, was funktioniert und was nicht, wo rechtlich noch nachgebessert werden musste und wie die Einbindung in die Lohnbuchhaltung technisch zu bewältigen war.
Nicht alle Mitarbeitenden von Möhrle Happ Luther sind berechtigt, das Angebot von HelloBonnie zu nutzen, Tobias als Partner beispielsweise nicht. Es blieben aber noch rund 340 Nutzer:innen übrig, die bestätigten, was die Gründer des Startups erwartet und auch schon mit anderen Kunden erlebt hatten. Die Akzeptanz ist groß, was vor allem an der hohen Flexibilität liegt. So muss der gesamte Bonus nicht Monat für Monat ausgegeben werden, möglich ist auch, beispielsweise auf eine Reise oder eine teurere Anschaffung wie ein Fahrrad anzusparen.

Venture Clienting gehört zum Programm des NCA
Flexibilität ist ein gutes Stichwort, wenn es um Kriterien für erfolgreiches Venture Clienting geht. Ein weiteres ist Vertrauen. Beide Parteien müssen sich auf unterschiedliche Unternehmenskulturen einstellen. Startups setzen auf Tempo und Versuch und Irrtum, bei etablierten Unternehmen sind die Entscheidungswege oft etwas länger, dafür bringen sie einen reichhaltigen Erfahrungsschatz in die Partnerschaft ein. Reibungen sind da kaum zu vermeiden. Sie sollten kein Hindernis darstellen, wenn der Nutzen für alle Beteiligten klar auf der Hand liegt, auch wenn die Verzahnung nicht immer so eng ist wie bei HelloBonnie und Möhrle Happ Luther.
Reichlich Erfahrung mit Venture Clienting hat der Next Commerce Accelerator (NCA) gemacht. Seit 2017 investiert der NCA in Startups, die durch Digitalisierung unter anderem im Handel einen Mehrwert erzeugen. Seit 2024 gehört auch HelloBonnie zum Portfolio. Von Beginn an dabei ist Thorsten Wittmütz, CEO und Managing Partner. Er fasst die vier Säulen der Förderung in diesen Stichpunkten zusammen: Finanzierung, Coaching, Zugang zum Startup-Ökosystem und Product-Market-Fit. Der letzte Punkt beinhaltet Kontakte zu einer Reihe von Corporates aus der Hamburger Metropolregion, die offen sind für Pilotprojekte mit Startups – also für Venture Clienting. Auch HelloBonnie konnte auf diesem Weg neue potenzielle Kunden für sich interessieren.

Gute Aussichten auf dauerhaften Erfolg für HelloBonnie
Eine der größten Herausforderungen beim Venture Clienting besteht für ein Startup darin, aus Projektpartnern dauerhaft zahlende Kunden zu machen. Das gelingt dann, wenn es nicht nur die Lösung für ein einmaliges auftretendes Problem hat, also tatsächlich nur projektbezogen arbeitet, sondern als Dienstleister langfristig einen Mehrwert bietet. Eine Alleinstellung im Markt erhöht dabei die Chancen. Bei HelloBonnie ist das für den deutschen Markt der Fall. Konkurrenz aus dem Ausland ist so schnell auch nicht zu befürchten. Mit Swile gibt es zwar ein französisches Unternehmen, das mit der gleichen Geschäftsidee Erfolg hat. Wegen der von Land zu Land sehr unterschiedlichen und komplexen Steuergesetze ist aber eine Internationalisierung des Geschäfts nur schwer möglich.
Umgekehrt gilt das ebenso für HelloBonnie, weshalb sich das Startup ganz auf Deutschland konzentriert. Hier gibt es auch genug zu tun, noch sind nicht alle Benefit-Möglichkeiten ausgeschöpft und die HelloBonnie-Community kann bei der Ausweitung des Angebots mit Vorschlägen mitwirken. Auch steuerrechtlich kann sich immer mal wieder etwas ändern. Aber da ist HelloBonnie bekanntlich erstklassig vernetzt.
Wer noch mehr über HelloBonnie erfahren und die Gründer persönlich treffen möchte: Am 1. April 2025 ist die Gelegenheit dazu. Dann findet der NCA Innovation Day statt, an dem 150 Startups pitchen und über 800 Entscheider:innen aus Investment, Wirtschaft und öffentlichen Institutionen zu Gast sein werden.