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Internationalisierung des Geschäfts ist das Ziel vieler Startups, nachdem sie sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Zentral geht genau den umgekehrten Weg. Mit seiner Softwarelösung hat das Unternehmen vor allem auf dem amerikanischen Markt einen Nerv getroffen, jetzt will es von Hamburg aus auch hierzulande große Kunden gewinnen.

Fragt man die Gründer von Zentral nach den Ursprüngen ihres Startups, sprechen sie von einem „Partytrick“. Was sie damit meinen: Am Anfang gab es lediglich ein Open Source-Projekt, mit dem sie aber genug Eindruck hinterlassen konnten, um Beratungsaufträge zu bekommen. Viele Software-Startups arbeiten mit einem solchen Trick. Sie machen Versprechungen, die sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht halten können, sind aber dann schnell und kompetent genug, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Der Software-Experte bei Zentral ist der Franzose Éric Falconnier, der, wie er selbst sagt, irgendwann in Hamburg „gestrandet“ ist. Nach einem Ingenieursstudium mit dem Schwerpunkt Telekommunikation hat er jahrelang an einer Online-Buchhandlung gearbeitet, die eine Alternative zu Amazon werden sollte. Sein Freund Henry Stamerjohann brachte ihn dazu, sich intensiver mit der Mac-Welt von Apple und der Softwareentwicklung zu beschäftigen, woraus das gerade erwähnte Open Source-Projekt hervorging. Henry war zu der Zeit noch beim Hamburger Apple-Spezialisten Apfelwerk tätig. Zusammen gründeten die beiden Zentral und betrieben damit einige Jahre eine IT-Beratung.

Die Gründer von Zentral, Éric Falconnier und Johannes Schüller. © Zentral
Die Gründer von Zentral, Éric Falconnier und Johannes Schüller. © Zentral

Aus Freunden werden Gründer

Davon erzählte Eric eines Tages seinem Kumpel Johannes Schüller. Die beiden trafen sich regelmäßig in einer geheimnisvollen Kneipe auf St. Pauli. Johannes hat ursprünglich BWL studiert und von einer Karriere als Musikproduzent geträumt. Bis zu einem gewissen Grad hat er sich diesen Traum auch erfüllt. Neun Jahre lang war er Teil der kulturellen Inbesitznahme des Hamburger Stadtteils Gängeviertel durch das Kollektiv „Komm in die Gänge“. In der Zeit hat er zudem den Technoclub Moloch mitgegründet. Nach fünf Jahren war der sanierungsreif, und als dann noch die Pandemie ausbrach, gingen dort die Lichter für immer aus. Nebenbei betrieb er auch noch ein Korn-Startup. Unternehmergeist hatte er also schon mehrfach bewiesen, die IT-Welt war allerdings Neuland für ihn.

Das Open-Source-Projekt und die Resonanz darauf klangen aber so vielversprechend, dass die drei beschlossen, Zentral zu einem Software-as-a-Service-Unternehmen umzubauen. Im Frühjahr 2022 war es so weit. Was allen fehlte, war Vertriebserfahrung. Sie unterschätzten den Aufwand, der mit der Gewinnung neuer Kunden verbunden ist. Erschwerend kam hinzu, das ihnen von zwei existierenden Beratungsmandaten eines vorübergehend verloren ging. Der verbliebene Kunde stellte fast zwei Jahre lang ihre einzige Einnahmequelle dar. Diese Startschwierigkeiten führten schließlich zu Henrys Entscheidung, sich umzuorientieren.

Screenshot der Benutzeroberfläche. © Zentral
Screenshot der Benutzeroberfläche. © Zentral

Zentral ist etwas für IT-Nerds

Die Anlaufschwierigkeiten beim Vertrieb hängen damit zusammen, dass es sich bei dem Softwareprodukt von Zentral um eine ziemlich komplexe Angelegenheit handelt. Laut Selbstbeschreibung unterstützt Zentral „IT-Teams dabei, schnell auf ein GitOps-gesteuertes Gerätemanagement umzustellen.“ Es folgen eine Reihe weiterer Fachbegriffe, mit denen nur Computernerds wirklich etwas anfangen können. Beispiel GitOps: Das ist ein System, das den Prozess der Bereitstellung der IT-Infrastruktur, insbesondere der modernen Cloud-Infrastruktur, so weit wie möglich automatisieren soll. Es basiert auf Git, einer frei verfügbaren Software zur verteilten Versionsverwaltung von Dateien. Und ein Versionsverwaltungssystem ist ein Werkzeug zur Protokollierung von Änderungen an Dateien, das ermöglicht, zu früheren Versionen zurückzukehren.

Ein weiterer Fachbegriff, der im Zusammenhang mit Zentral verwendet wird, ist MDM (Mobile Device Management), der die Sache etwas verständlicher macht. Er beschreibt eine Lösung, mit der Unternehmen Smartphones, Tablets oder Laptops zentral verwalten, absichern und konfigurieren können. Das ermöglicht die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien sowie die Fernlöschung von Firmendaten. Noch einfacher ausgedrückt: Zentral bietet eine Art Kontrollzentrum – daher der Name des Startups – das den Zugriff auf die IT-Geräte eines Unternehmens ermöglicht.

Das Team von Zentral: Sebastian Fuchs, Johannes Schüller, Éric Falconnier und Andreas Koslowski. © Zentral
Das Team von Zentral: Sebastian Fuchs, Johannes Schüller, Éric Falconnier und Andreas Koslowski. © Zentral

Die USA sind der wichtigste Markt

Die nächste Vertriebsherausforderung besteht darin, dass sich die Lösung erst so richtig für Unternehmen mit mehreren Tausend Beschäftigten lohnt. Die Zielgruppe ist also relativ spitz und Konzerne dieser Größenordnung sind nicht immer für Flexibilität und schnelle Entscheidungen bekannt. Einige Branchen wie die Finanzwirtschaft oder die Pharmaindustrie, die bei der Behandlung von Daten besonders sensibel agieren müssen, haben allerdings einen dringenden Bedarf an einer Lösung wie der von Zentral. Vertrauen und Vertraulichkeit sind wesentliche Faktoren für den Erfolg des Startups, weshalb die Gründer auch die Namen der Kunden nicht nennen und ihre Zahl mit „eine Handvoll“ nicht genauer beziffern. Der einst abgesprungene Beratungskunde ist übrigens wieder an Bord.

Eines lässt sich aber definitiv feststellen: Keines der Unternehmen, das Zentral vertraut, hat seinen Sitz in Deutschland. Ein weiterer Umstand, der den Vertrieb nicht gerade erleichtert. Das hängt damit zusammen, dass die Hamburger auf die Apple-Welt spezialisiert sind, hierzulande aber Microsoft bei Software und Betriebssystemen dominiert. In den USA, UK und einigen weiteren europäischen Ländern sieht das anders aus. Auf die letzteren setzt Zentral verstärkt, denn es ist das einzige Unternehmen in Europa auf seinem Gebiet und damit eine Alternative zu amerikanischen Anbietern. Die Verringerung der Abhängigkeit ist ein vielfach erklärtes Ziel.

Daher besteht die berechtigte Hoffnung, dass Zentral bald auch seinen ersten deutschen Kunden gewinnen kann. Und das mit einer Software, die gegen den Trend ganz ohne künstliche Intelligenz auskommt, auch wenn bei ihrer Entwicklung durchaus KI genutzt wird. Bei einem Team, das insgesamt nur aus vier Personen besteht, ist ein solches Hilfsmittel besonders nützlich, aber um wirklich wachsen zu können, werden erfahrene Profis für die Bereiche Sales und Software gesucht.

Sie würden ein Unternehmen verstärken, das bisher öffentlich kaum in Erscheinung getreten ist, eine Art „Hidden Champion“ also. Dazu passt auch das Büro, das sich in einem Souterrain befindet. Zentral ist ganz ohne Fördermittel und Investorengelder gewachsen und hat zur Hamburger Startup-Szene nur lose Verbindungen. Das Ökosystem, in dem es sich bewegt, ist ansonsten fest in amerikanischer Hand. Das heißt nicht, dass die Gründer Hamburg nicht schätzen. Johannes ist hier aufgewachsen und Éric hat hier seine Wahlheimat gefunden. Ein Software-Startup lässt sich im Prinzip an jedem Ort der Welt aufbauen. Am besten aber in einer Stadt, in der die Lebensqualität besonders hoch ist.


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Autor

Startup City Hamburg

Startup City Hamburg ist die zentrale Anlaufstelle für Hamburgs Startup-Ökosystem: Wir berichten über News und Events, Gründer:innen und Erfolgsgeschichten der Szene, ordnen aktuelle Entwicklungen ein und behalten Fördermöglichkeiten im Blick. Mit persönlicher Beratung durch unsere Startup-Guides und einem Netzwerk aus Gründer:innen, Investor:innen und Institutionen geben wir Gründungsinteressierten und Foundern einen Überblick über die Szene.

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