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Polytone ist ein Startup mit zwei ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Zum einen verschafft es Nachwuchsmusiker:innen Zugang zu hochwertigen Instrumenten, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Zum anderen machts es aus diesen Instrumenten eine Anlageform, die unabhängig ist von der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage. Zudem ist es ein Erfolgsbeispiel für gezielte Fördermaßnahmen in Hamburg.

© Mathias Jäger/Hamburg Startups: Philipp Klotz, Gründer von Polytone
© Mathias Jäger/Hamburg Startups: Philipp Klotz, Gründer von Polytone

Hervorragende Geigen sind Millionen wert

Im Jahr 2012 erzielte eine Violine des italienischen Geigenbauers Guarneri del Gesù bei einer Aktion den Rekordpreis von 16 Millionen US-Dollar. 2011 hatte eine Stradivari fest ebenso viel eingebracht. Beide Exemplare stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, was eine Faustregel für hochwertige Geigen bestätigt: Je älter, desto wertvoller. Professionelle Musiker:innen aus der Klassik spielen fast ausschließlich mit historischen Instrumenten. Anne-Sophie Mutter, Deutschlands bekannteste Violinistin, besitzt gleich zwei Stradivaris, deren Wert in die Millionen geht. So viel Geld müssen Orchestermusiker:innen für ihre Instrumente nicht ausgeben, aber um einen der Plätze in einem renommierten Ensemble zu ergattern, ist oft eine Investition im fünfstelligen Bereich erforderlich. Viele können sich den Kauf nicht leisten; das Startup Polytone bietet ihnen mit seiner Leihoption eine Alternative.

Der Gründer von Polytone, Philipp Klotz, ist selbst Musiker. Er begann Cello zu spielen, als er fünf Jahre alt war. Zum Beruf machte er seine Leidenschaft zunächst aber nicht. Er studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaft und arbeitete unter anderem mehrere Jahre im südostasiatischen Myanmar, für die UNESCO und das Innovation Lab Phandeeyar. Am Aufbau eines Startups beteiligt war er bei der Talenthouse AG, einem Digitalunternehmen, das 2024 Konkurs ging. Da hatte Philipp längst sein eigenes Startup gegründet. Die Idee kam ihm, als er sein Cello für eine Reparatur zu einem Geigenbauer in seiner Geburtsstadt Lübeck brachte. Der wollte ihm prompt sein Instrument abkaufen, zum doppelten Anschaffungspreis.

© Mathias Jäger/Hamburg Startups: Juliana Diaz Chico spielt eine Querflöte Polytone
© Mathias Jäger/Hamburg Startups: Juliana Diaz Chico spielt eine Querflöte Polytone

Polytone erleichtert Zugang zu bedeutenden Orchestern

Das war kein Versehen, sondern folgte der Logik des Marktes. Hochwertige Instrumente sind begehrt und gerade bei den Streichinstrumenten ist die Nachfrage größer als das Angebot. Gefragt sind vor allem per Hand gefertigte Einzelstücke, kleine Kunstwerke voller unverwechselbarer Eigenheiten. Während herkömmliche Gebrauchsgegenstände wegen Abnutzung und Verschleiß kontinuierlich an Wert verlieren, steigt er vor allem bei Geigen, weil sich ihr Klang im Laufe der Jahre verfeinert.

Wie gesagt, wer in einem großen Orchester spielen will, braucht ein erstklassiges Instrument und muss es sich selbst beschaffen. Selbst neu gefertigte Meisterstücke kosten bereits viele Tausend Euro. Eine hohe Hürde für alle, die gerade von der Musikschule kommen und weder über die eigenen finanziellen Möglichkeiten verfügen noch externe Unterstützung erhalten. Hier erkannte Philipp einen Bedarf und eine Marktlücke, die er mit seinem Startup füllen wollte. Das trug zunächst den Namen Soundvest und erhielt aus rechtlichen Gründen später den Namen Polytone.

Ein Teil des Geschäftsmodells von Polytone beruht auf dem bewährten Prinzip mieten statt kaufen. Interessierte können sich beraten und bei der Suche nach dem idealen Instrument helfen lassen, oder haben es schon gefunden. In jedem Fall erwirbt es das Startup und vermietet es zu Konditionen, die den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten der Kund:innen entsprechen. Das heißt, die monatliche Rate kann zu Beginn relativ niedrig sein und sich bei einem positiven Karriereverlauf entsprechend steigern. Zum Angebot gehört zudem eine umfassende Versicherung des Instruments und Zugang zu einem Netzwerk, das die Chance auf Engagements erhöht.

© Jan-Marius Komorek: Philipp Klotz und sein ehemaliger Mitgründer Diego Maldonado Rosas
© Jan-Marius Komorek: Philipp Klotz und sein ehemaliger Mitgründer Diego Maldonado Rosas

Von Berlin nach Hamburg dank gezielter Förderung

Geburtsort von Polytone ist Berlin, weil sich Philipp einen Platz im Accelerator der BERLIN STARTUP SCHOOL sichern konnte. Das Programm startete im Januar 2023 und lief über sechs Monate. Für die Anschlussförderung suchte Philipp nach einer Institution, die sich auf die Musikbranche konzentriert. Hier nimmt Hamburg eine führende Rolle ein, Music WorX der Hamburg Kreativ Gesellschaft erhält regelmäßig Bewerbungen aus ganz Europa. Die Aufnahme in das Programm an sich ist also schon ein Erfolg und für Polytone lief es besonders gut. Beim abschließenden Pitch gewann das Startup sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis. Philipp zur Seite stand damals der Finanzexperte Diego Maldonado Rosas, der inzwischen in seine chilenische Heimat zurückgekehrt ist.

Philipp blieb dagegen mit seiner Familie dauerhaft in Hamburg und verlegte auch den Unternehmenssitz hierher. Damit erfüllte Polytone ein wichtiges Kriterium für die Förderung durch die IFB Innovationsstarter GmbH und wurde in das InnoFinTech-Programm aufgenommen. Die Einordnung in die Kategorie Fintech ist in erster Linie nicht dem Verleihgeschäft zu verdanken, sondern dem anderen Teil des Geschäftsmodells. Keine Anlageform, die nicht mit einem festen Zinssatz verbunden ist, ist vollkommen risikolos. Viele, oft unvorhersehbare Faktoren können zu erheblichen Kursschwankungen und schlimmstenfalls zum Totalverlust führen. Die Erfahrung zeigt aber, dass bei Instrumenten die Preise fast permanent nach oben gegangen sind. Somit bilden sie eine Anlageklasse mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf solide Renditen.

© Mathias Jäger/Hamburg Startups: Anja Schulze (Marketing & Community) und Gründer Philipp Klotz
© Mathias Jäger/Hamburg Startups: Anja Schulze (Marketing & Community) und Gründer Philipp Klotz

Steigende Renditen und steigende Umsätze

Mit diesem Argument wollte Polytone zunächst bevorzugt Privatpersonen ansprechen, die eine Alternative zu Aktienfonds, Immobilien oder Gold suchen. Inzwischen liegt der Fokus eindeutig auf institutionellen Anlegern, zu denen auch Stiftungen gehören, die so ihre Kapitalanlage mit Kulturförderung verbinden können. Polytone hat keinen Fonds aufgelegt, jedes Investment wird individuell gestaltet und kann eines oder mehrere Instrumente umfassen. Die größten Gewinnchancen bietet der Weiterverkauf, wobei nicht zuletzt die Mietenden als Käufer:innen in Frage kommen.

Die Kund:innen – rund 60 % sind Frauen - kommen aus aller Welt: aus Italien, Griechenland, den USA, Kolumbien und vielen anderen Ländern. Am gefragtesten sind Streichinstrumente im Wert zwischen 10.000 und 50.000 Euro, aber es wurden auch schon Gitarren oder Querflöten vermittelt. Der steigende Geschäftserfolg hat es Philipp erlaubt, mit dem Aufbau eines kleinen Teams anzufangen. Anja Schulze ist als Festangestellte in erster Linie für das Marketing zuständig, Florancia Risopatron kümmert sich freiberuflich um das Webdesign. Durch den Abschluss einer geplanten Finanzierungsrunde könnte weitere Unterstützung hinzukommen. Einen wichtigen Anteil am Aufstieg Polytones hat der Standort Hamburg, wie der Gründer bestätigt:

© Lea Ley: Polytone-Gründer Gründer Philipp Klotz
„Die Stadt ist ein idealer Ort für Finanz- und Kultur-Startups. Wir profitieren von kurzen Wegen, einer hervorragenden Förderlandschaft durch die IFB und die Hamburger Kreativgesellschaft sowie von weltweit führenden Kulturinstitutionen und einer starken Fintech-Szene. Und auch beide Senatsverwaltungen, Kultur und Finanzen, sind sehr gut besetzt und liefern die richtigen und wichtigen Impulse. Da wir mit Polytone beide Welten kombinieren, ist dieser Standort für uns ein echter Gewinn.“
Philipp Klotz, Gründer von Polytone

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Startup City Hamburg

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