Seit dem 12. August 2026 gilt in der EU eine neue Verpackungsverordnung, auch Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) genannt. Das Hamburger Startup re_source bietet eine Plattform rund um das Thema regelkonformer und nachhaltiger Verpackungen. Einer der Gründer, Victor Büchner, hat uns einige Fragen zu dem Regelwerk beantwortet.
Was Startups über die neue EU-Verpackungsverordnung wissen müssen
Welche Startups betreffen die jetzt in Kraft getretenen Regelungen der PPWR?
Die PPWR gilt direkt in allen EU-Staaten, ohne generelle Ausnahme bezüglich der Unternehmensgröße. Betroffen ist also jedes Startup, das Verpackungen oder verpackte Waren in der EU erstmals in Verkehr bringt. Die rechtliche Bezeichnung dafür ist Erzeuger. Betroffen sind folgende Kategorien:
E-Commerce mit Versandkartons, Füllmaterial und Subscription-Boxen. Besonders heikel ist das bei Versand in mehrere EU-Länder, das erfordert nämlich eine Registrierung je Zielmarkt.
Food, Beverage, Supplements, Kosmetik: Diese Bereiche sind am stärksten betroffen, weil die Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien) für Lebensmittelkontakt schon jetzt zusätzlich gelten.
Eigenmarken / Private Label: Sie gelten in der Regel rechtlich als Erzeuger und tragen die volle Dokumentationslast, auch wenn ein Lohnhersteller produziert.
Importeure beispielsweise aus Asien oder selbst aus UK. Sie müssen Konformität der Lieferanten prüfen und dafür notwendige Daten einholen.
Verpackungs- und Materialstartups: Kunden fragen ab jetzt Nachweise ab. Das ist eher Chance als Risiko, wenn sie mit Startup-Speed agieren.
Fulfillment-Dienstleister und Marktplätze: Sie dürfen Händler fortan ohne Registrierungsnachweis nicht mehr verkaufen lassen.
Hardware/Consumer-Products: Auch die Transport- und Umverpackung zählt hier.
Erleichterung gibt es für Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz. Wenn der Lieferant im selben Land ansässig ist, übernimmt dieser die Rolle des Erzeugers.
Welche Maßnahmen müssen Startups sofort ergreifen?
Ihre Rolle klären: Erzeuger, Hersteller, Importeur oder Vertreiber? Je Verpackung und je Zielmarkt ist das unterschiedlich. Alles andere hängt daran.
Verpackungsinventar aufbauen: Jede Variante mit Material, Gewicht, Komponenten, Lieferant. Die meisten Startups haben das nicht ordentlich dokumentiert.
Konformitätserklärung und technische Unterlagen pro Verpackungsvariante: Diese sind nämlich Pflicht seit dem 12.August. Fehlen sie, gilt die Verpackung als nicht rechtmäßig in Verkehr gebracht: Es drohen dann Vertriebsverbot, Rückruf oder Bußgelder bis 200.000 Euro. Es besteht eine Aufbewahrungspflicht von 5–10 Jahren, Vorlage bei Behörden binnen 10 Tagen.
Lieferanten anschreiben und das am besten heute: Materialdaten, PFAS- und Schwermetall-Bestätigungen, Testberichte, Rezyklatanteile. Das ist der längste Weg im Prozess, und dauert unserer Erfahrung nach oft Wochen bis Monate.
PFAS-Check bei Verpackungen mit Lebensmittelkontakt: Hier gibt es strikte Grenzwerte. Klassische Risikokandidaten: beschichtetes Papier, Fettbarrieren, Backwaren-/Take-away-Verpackung.
Das EPR-System für die Ressourcenplanung sauber machen: Registrierung und Systembeteiligung in jedem EU-Land, in das sie liefern; einen Bevollmächtigten bestimmen, wo keine Niederlassung besteht. Marktplätze prüfen das inzwischen aktiv. Nichterfüllung heißt Listing-Sperre. Dies ist der Grund, warum viele Startups ja gerade bei LinkedIn posten, dass sie momentan nur noch in Deutschland vertreiben.
Claims auf der Verpackung prüfen: „wiederverwendbar" nur, wenn ein echtes Rücknahmesystem dahintersteht; irreführende Umweltaussagen sind unzulässig.
Eine verantwortliche Person benennen und Lieferantenverträge um Compliance-Zusicherungen und Meldepflicht bei Materialänderungen ergänzen.
Wie kann euer Startup re_source anderen Startups bei der Verpackungsverordnung helfen?
Wir arbeiten bereits mit kleinen, sowie ganz großen Unternehmen zusammen und helfen ihnen zu Beginn mit einem PPWR-readiness check. Mit unserem Tool können wir von ihren Lieferanten und Herstellern fehlende Daten abfragen, nachfassen und so für Vollständigkeit sorgen. Außerdem ist es möglich eine Analyse über bestehende Lücken durchzuführen und Konformitätserklärungen zu erstellen. Wir ermöglichen also den ganzen Prozess von Daten einsammeln über Rollen definieren bis zur fertigen Konformitätserklärung. Auch EPR ist mit unserem Tool abdeckbar.
Und ein wichtiger Punkt, der uns abgrenzt: Wir können dann auch helfen, konforme Alternativmaterialien zu identifizieren und zu sourcen.