Der Aufstieg von traceless gehört zu den größten Startup-Erfolgsgeschichten Hamburgs. Mit der Eröffnung einer eigenen, technologisch weltweit einzigartigen Produktionsanlage für eine pflanzenbasierte Plastikalternative macht das 2020 gegründete Unternehmen den Schritt in die industrielle Großproduktion. Zur Einweihungsfeier war Prominenz aus Politik und Wirtschaft angereist.
traceless konzentriert sich ganz auf Hamburg
„Neuland“ heißt passenderweise der Stadtteil im Bezirk Harburg, in dem traceless in einer ehemaligen Großbäckerei seinen neuen Hauptsitz angesiedelt hat. Auf rund 4.000 m² vereint er Produktion, Vertrieb, Produkt- und Technologieentwicklung sowie Logistik und Verwaltung. Die Pilotanlage des Unternehmens, die seit 2022 in Buchholz in der Nordheide betrieben wird, soll ebenfalls nach Harburg transferiert werden. Die neue Produktionsstätte ist pro Jahr auf rund 3.000 Tonnen des traceless-Materials pro Jahr ausgelegt. Sie ist bereits in Betrieb, die Produktion wird in den kommenden Monaten schrittweise hochgefahren. Die Technik wurde vom traceless-Team, das aktuell rund 110 Mitarbeitende umfasst, intern entwickelt. Bei einem Investitionsvolumen von mehr als 20 Millionen Euro stammen gut 5 Millionen Euro aus einem Förderprogramm der Bundesregierung. Für weiteres Wachstum ist bereits der Bau einer noch größeren Industrieanlage geplant.
Rückenwind von Anfang an
traceless, das die Gründerin Dr. Anne Lamp in ihrer Begrüßungsrede als KMU und nicht mehr als Startup bezeichnete, hat bereits zahlreiche Preise gewonnen und von Beginn an viel Unterstützung erfahren. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank erinnerte sich an die Anfänge in einem Kellerlabor der TU Hamburg. Für die Politikerin war die Zeremonie ein willkommener Anlass, ein positives Zeichen gegen die sonst eher schlechte Stimmung zu setzen. Gleiches galt für Bundesumweltminister Carsten Schneider, der die besondere Atmosphäre in Hamburg lobte. Marko Schneider, COO des Papier- und Verpackungsherstellers Mondi, berichtete von dem partnerschaftlichen Miteinander bei der Entwicklung neuer Produkte, die schon 2020 begann.
Die Technologie von traceless
Naturpolymere sind langkettige Moleküle natürlichen Ursprungs und bilden die Basis für bekannte Produkte wie Papier und Baumwolle. Mit der patentieren Technologie von traceless lassen sich Naturpolymere nun deutlich erweitert einsetzen. Dafür sorgt ein Extraktionsverfahren, das pflanzliche Reststoffe aus der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft nutzt, ohne deren natürliche chemische Struktur zu verändern. Das daraus entstehende Granulat ist eine kompostierbare Alternative zu Plastik. Die Eigenschaften des Materials ermöglichen eine Weiterverarbeitung mit industriellen Standardtechnologien. So kann es Kunststoffe beispielsweise bei Einwegprodukten, Verpackungen, Papierbeschichtungen oder Klebstoffen ersetzen. Ein weiterer Vorteil neben der Umweltfreundlichkeit: Die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen entfällt, traceless kann auf lokale Lieferanten zugreifen.