Startups, die den medizinischen Fortschritt vorantreiben, brauchen oft Jahre, um mit ihren Innovationen kommerziell erfolgreich sein zu können. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie der Health & Life Science Venture Day des Clusters Life Science Nord, der Gründer:innen aus diesem Bereich mit Investor:innen zusammenbringt. Bei der dritten Ausgabe bekamen zehn Startups die Gelegenheit zum Pitch, von einer Jury und dem Publikum erhielt mo:re die meisten Stimmen.
Softwarelösungen spielten eine große Rolle
Eine Mehrzahl der angetretenen Startups präsentierte Geschäftsmodelle, bei denen Softwarelösungen im Mittelpunkt standen, häufig mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. So übernehmen bei Galagos KI-Agenten die Aufgaben von Bioinformatiker:innen, die auf dem Arbeitsmarkt sonst schwer zu finden sind. Open Prometheus ist eine Informationsplattform für medizinische Themen, die eine besonders hohe Zuverlässigkeit verspricht. ChatDok bietet gleich mehrere KI-Produkte, unter anderem einen Chatbot für die Behandlung chronischer Erkrankungen. Ausnahmsweise ohne KI kommt anonetics aus. Dieses Startup schafft mit seinem digitalisierten Wartezimmer Entlastung in den Notaufnahmen vom bereits über 150 Krankenhäusern, die als Kunden gewonnen werden konnten.
Unsichtbare Organe und vegane Schwangerschaftstests
Bei der Verbesserung und Erleichterung lebenswichtiger medizinischer Verfahren leistet wieder künstliche Intelligenz einen wichtigen Beitrag. ROB’E nutzt sie für die Echokardiographie, die Ultraschalluntersuchung des Herzens, Histomography für die optische Darstellung von Gewebeproben, die Tumore besser identifizieren lässt. Mit Instromeda war auch ein echtes Hardware-Startup dabei. Es baut Analysegeräte, die sich praktisch von selbst steuern. Allogenetics löst ein Problem aus der Transplantationsmedizin: gespendete Organe werden vom Körper oft abgewiesen, das Startup macht sie für das Immunsystem „unsichtbar“. Für die Erzeugung von Antikörpern für medizinische Tests sind bisher Tierversuche erforderlich. Phaeosynt bietet eine Alternative, für die Mikroalgen eingesetzt werden, und ist bereits mit einem Schwangerschaftstest auf dem Markt.
No Health & Life Science Venture Day would be complete without mo:re
Von den zehn angetretenen Startups kamen zwei aus Hannover und je eines aus Göttingen und Düsseldorf. Instromedia stammt ursprünglich aus Oxford und hat inzwischen auch einen Standort in Hamburg. Mit mo:re gewann ein Hamburger Unternehmen, das eng mit dem Health & Life Science Venture Day verbunden ist. Bereits bei der ersten Ausgabe gehörte es zu den Kandidaten und 2025 sprach Gründer Lukas Gaats in einem Panel über die Herausforderungen von Medtech-Startups. Dieses Jahr gewann er nun den Pitch mit einer Technologie, die Versuche an Tieren überflüssig machen kann. Als Ersatz dienen Organoide, wenige Millimeter große, organähnliche Mikrostrukturen. Die sind bereits im Einsatz; der Umsatz nähert sich der Million und nach einer Seed-Runde in Höhe von 2,3 Millionen Euro im März 2025 stehen die Chancen gut für die nächste Finanzierung.