Der Begriff „Corporate Venturing“ fasst unterschiedliche Möglichkeiten zusammen, wie Startups und etablierte Unternehmen erfolgreich kooperieren können. Zwei in Hamburg angesiedelte Fonds aus diesem Bereich wurden kürzlich erfolgreich abgeschlossen, jeweils mit einem Volumen von 100 Millionen Euro.
Ein Netzwerktreffen für Insider
Seit 2022 gibt es in Hamburg den CVC Circle. Die Abkürzung CVC stand bisher für „Corporate Venture Capital“ und erhält nun die Bedeutung „Corporate Venturing Circle“, um den verschiedenen Modellen der Zusammenarbeit von Startups und Corporates besser gerecht zu werden. Organisiert wird das Netzwerktreffen von dem Investor Dr. John Lange gemeinsam mit dem Hamburg Investors Network. Bei der jüngsten Veranstaltung beteiligten sich erstmals auch die IFB Hamburg und Startup City Hamburg. Der Kreis der Teilnehmenden ist beschränkt auf Personen aus Unternehmen, die aktiv Corporate Venturing betreiben. Hamburg habe sich hier in Deutschland zu einem führenden Standort entwickelt, erklärte Dr. John Lange. Zwei aktuelle Beispiele machen das deutlich.
amberra fördert Startups, die das Bankengeschäft fördern
Eines davon ist amberra, das Venturing Studio der genossenschaftlichen FinanzGruppe (GFG), zu der unter anderem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören. Der Fonds von amberra hat ein Volumen von 100 Millionen Euro und bündelt das Innovationskapital von rund 180 Genossenschaftsbanken. Bis 2028 sollen bis zu 20 strategische Beteiligungen aus den Bereichen Wohnen, Gesundheit, Nachhaltigkeit und regionale Wirtschaft entstehen. Ziel ist jeweils, das klassische Bankangebot um zusätzliche Serviceleistungen zu erweitern. Dabei agiert amberra in drei Bereichen: direkte Beteiligung an Startups (Corporate Venture Capital), Kooperationen (Venture Clienting) und die Eigenentwicklung neuer Geschäftsmodelle (Venture Building). Das erste in Eigenregie entstandene Startup ist stroya, eine Plattform für Mieterstrom.
Ebenfalls ein Volumen von 100 Millionen Euro hat der neue „Skin Care Innovation Fund“ von Beiersdorf Venture Capital, eine Verdoppelung gegenüber dem Vorgänger. Das vor allem mit Kosmetikprodukten weltweit erfolgreiche Unternehmen Beiersdorf investiert seit 2020 in Startups aus den Bereichen Life Science, Biotechnologie, Nachhaltigkeit und digitale Gesundheitslösungen. Es ist inzwischen über 15 Beteiligungen eingegangen und steigt bevorzugt in der frühen Wachstumsphase mit Beträgen zwischen 0,5 und 5 Millionen Euro ein. Eine Erfolgsgeschichte aus dem Portfolio ist S-Biomedic, ein belgisches Startup, das führend in der Mikrobiom-Forschung ist. Es steht stellvertretend für zwei wesentliche Faktoren von Beiersdorfs Investmentstrategie: Internationalität und hoher wissenschaftlicher oder technologischer Innovationsgrad.