Mit der 14. Ausgabe des Deutschen Startup Monitors liefert der Startup-Verband wieder eine aufschlussreiche Bestandsaufnahme des Ökosystems. Die Ergebnisse der Befragung von 1.803 Gründer:innen zeigen: Themen wie KI und DeepTech boomen, doch der positive Trend erreicht längst nicht alle Startups.
Mit 8,0 Milliarden Euro liegt das Investitionsvolumen bereits im September über dem Gesamtjahreswert von 2025 (7,5 Milliarden Euro). Das liegt an einigen besonders großen Runden, überwiegend aus den Bereichen DeepTech und Defence. Folgerichtig ist die Zahl der milliardenbewerteten Unicorns um zehn Startups auf 39 angestiegen. In der Breite dagegen liegt die Zahl der Finanzierungsrunden rund ein Viertel unter dem Niveau des Rekordjahres 2021. Gerade bei den Erstrunden ist ein weiterer Rückgang zu beobachten. 89 Prozent der Gründer:innen fordern deshalb mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa.
Entsprechend kritisch fällt die Bewertung des Gründungsstandorts Deutschland aus. Nur noch 31 Prozent der Gründer:innen halten Deutschland für attraktiver als die USA, nach 40 Prozent im Vorjahr. Ein Wegzug bleibt für die Mehrheit zwar kein Thema (61 Prozent), doch 24 Prozent halten sich diese Option offen. Ziel Nummer eins bleiben die USA (46 Prozent). Einen Anreiz zu bleiben könnte die geplante neue Unternehmensform EU Inc. bieten. 64 Prozent der Gründer:innen fordern dafür einen vollständig digitalen Gründungsprozess, 57 Prozent das Entfallen der Notarpflicht, 55 Prozent eine erleichterte Expansion in andere EU-Märkte.
Hohe Bedeutung von Wissenschaft und etablierten Unternehmen
Die besondere Stärke des Startup-Ökosystems liegt in der Nähe zur Wissenschaft. Bei 59 Prozent der Startups geht das Produkt direkt oder indirekt aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen hervor. Rund 10 Prozent der Unternehmen lassen sich dem Bereich DeepTech zuordnen. Die Hochschulen wirken dabei konkret mit: 51 Prozent der Gründer:innen haben Unterstützung von Universitäten oder Forschungseinrichtungen erhalten.
Für 53 Prozent der Startups steht künstliche Intelligenz (KI) inzwischen im Zentrum des Produkts, nach 45 Prozent im Vorjahr und 39 Prozent 2024. Besonders Neugründungen setzen immer häufiger von Beginn an auf generative KI. Ihre Zielgruppen verorten sie dabei überwiegend im Mittelstand und der Industrie. Deutlich wird das beim B2B-Anteil an den Startup-Umsätzen, der mit 77 Prozent einen Rekordwert erreicht. Andererseits sinkt die Zahl der Startups, die mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten. Der Wert dafür liegt nur noch bei 54 Prozent, nach 56 Prozent im Vorjahr und 72 Prozent im Jahr 2020. Lediglich 16 Prozent der Befragten bewerten die Kooperationsbereitschaft der etablierten Wirtschaft als hoch.
Erfreulich ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Nur noch 15 Prozent sehen die Suche nach passenden Mitarbeitenden als große Hürde – vor zwei Jahren waren es noch 30 Prozent. Bei Scaleups mit mindestens 50 Beschäftigten ist der Effekt sogar noch deutlicher, der Wert sinkt hier von 56 Prozent auf 18 Prozent. Die durchschnittliche Mitarbeitendenzahl geht weiter leicht zurück auf 15,3, gegenüber 15,8 im Vorjahr. Hier macht sich der KI-Effekt bemerkbar: Software-Startups können dank künstlicher Intelligenz die Produktentwicklung enorm beschleunigen und brauchen entsprechend weniger Personal. Trotzdem entstehen neue Jobs: 83 Prozent planen in den kommenden zwölf Monaten Neueinstellungen, im Schnitt sollen die Teams um 5,5 Personen und damit um 36 Prozent wachsen.